Im Interview: Simone über Winterrituale, Tierwohl und unsere neue Husky-Reise

Unsere neue Huskytour im Hohen Norden führt Sie in die unberührte Natur der finnischen Region Kainuu. Hier kümmert sich Simone liebevoll um ihr kleines Hunde-Rudel und empfängt Gäste ab kommendem Winter in familiärer Atmosphäre. Wenn auch Sie den Zauber des finnischen Winters einmal „auf leisen Pfoten“ in extra kleiner Gruppe erleben wollen, sind Sie auf dieser Reise genau richtig. Wir stellen Ihnen in diesem Interview Simone als Reiseleiterin vor – mit ihrem reichen Erfahrungsschatz, ihrer familiären Farm und ihrer Hundeschlittenwoche.

Seit fast 25 Jahren dreht sich dein Leben um Schlittenhunde. Wie bist du „auf den Schlittenhund gekommen“? Und kannst du dich an deine allererste Schlittenhundefahrt mit eigenem Gespann erinnern?

„Auf den Hund“ kam ich schon als Kind, da ich mit Hunden aufgewachsen bin. Zu Schlittenhunden kam ich aber erst im Erwachsenenalter, da sie das oft raue Klima und die unberührte Natur hier in Finnland genauso mögen wie ich. Meine erste Fahrt mit eigenem Gespann ist mir noch in bester Erinnerung. Das war Anfang der 90er Jahre in Lappland auf einer großen Farm. Ich stand keine 100 Meter auf den Kufen, fiel hin und ließ mein Gespann los, welches dann per Motorschlitten wieder eingesammelt werden musste. Der Guide war verärgert. Ich verstand, wieso „nie loslassen“ die wichtigste Regel auf dem Schlitten ist und war tief beeindruckt von der Kraft der Hunde. Der Rest der Woche verlief dann sturzfrei und ich ließ nie mehr los… Der Virus „Schlittenhund“ hatte mich trotz dieses ersten Sturzes gepackt.

Über 20 Jahre hast du eine große Huskyfarm mit über hundert Schlittenhunden, Sommer- und Wintertourismus, Gästezimmern und Restaurant aufbaut und geleitet. 2025 hast du diese Anlage in jüngere Hände übergeben und dich hier in der finnischen Region Kainuu für eine viel kleinere Farm im familiären Stil entschieden. Wie hast du den Ort deiner jetzigen Farm gefunden und warum hast du ihn gewählt?

Kainuu hat viele Hügel und Naturschutzgebiete, mehr als mein früheres Zuhause in Finnland. Die Wälder sind naturbelassener, die Infrastruktur ist sehr gut und die Menschen in Kainuu sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Frühere Reisen durch Kainuu haben mich für das Gebiet begeistert, so dass der Schritt, hierher zu ziehen, fast auf der Hand lag. Das Grundstück ist groß, bietet viel Wald und einen direkten Zugang zum See. Beim ersten Besichtigungstermin konnte ich mir sofort bildlich vorstellen, wo die Zwinger stehen könnten, wo das große Freilaufgelände für die Hunde wäre und wie das Herbsttraining und die Schlittentouren direkt von der Haustür starten würden. Die Nähe zur charmanten Kleinstadt Sotkamo war auch passend und so fand ich hier vor genau einem Jahr mein neues Zuhause.

Wie viele Hunde leben jetzt auf deiner Farm und wie läuft eine Hundeschlittenwoche bei dir ab?

Aktuell leben 19 Hunde hier – 3 im Haus, 16 draußen in der Zwingeranlage. Die Ältesten sind 11 Jahre, die Jüngste erst 1 ½ Jahre alt. Ein bunter Haufen: Rüden, Hündinnen, Anfänger, Routiniers, erfahrene Leithunde und solche, die noch etwas Ausbildung brauchen; Hunde, die sich kaum aus der Ruhe bringen lassen und wahre Energiebündel; alles bunt gemischt. Bei uns bist du als Gast kein Zuschauer, sondern darfst dein Team selbst mitversorgen, spannst deine Hunde selbst vor den Schlitten, den du alleine fährst und sitzt nicht nur im Schlitten, den ein anderer fährt. Du servierst den Hunden nach der Fahrt ihre Belohnungssuppe und erhältst Einblick in alle Aspekte einer Schlittenhundefarm. Da wir nur mit ganz kleinen Gruppen starten, können wir Strecke, Tempo und Anzahl der Pausen ganz nach den Gästen richten. Es geht nicht darum, eine fix vorgegebene Strecke in einer fix vorgegebenen Zeit einfach abzufahren, sondern euch ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Die erste Fahrt ist bestimmt etwas anstrengend und verlangt von Anfängern höchste Konzentration, aber mit jeder weiteren Tour kommt die Sicherheit dazu, der Blick kann entspannter in die Gegend schweifen, das Genießen nimmt zu, die Anspannung nimmt ab. Du und die Hunde – ihr wachst zu einem Team zusammen. Wir haben den ganzen Tag für euch Zeit und können nach jeder Fahrt gemütlich beim Essen auf eure Fragen und Probleme eingehen. Einige Abendessen finden bei uns auf der Farm als gemütliches Zusammensein statt. Die anderen Abende seid ihr für euch und könnt den Tag so ausklingen lassen, wie es euch gefällt. Insgesamt erwartet euch ein gelungener Mix aus spannenden Aktivitäten, viel Einblick in das Leben mit Hunden, gemütlichem Zusammensein mit Guide und Team, aber auch freie Zeit für euch und Privatsphäre.

Die Sami unterscheiden acht Jahreszeiten – welche winterliche Jahreszeit gefällt dir auf den Kufen des Hundeschlittens am besten: der Frühwinter, der Herzwinter oder der Spätwinter?

Wenn die Schnee- und Eisdecke das erste Mal dick genug ist, um die Hunde von den Trainingsfahrzeugen auf die Schlitten umzustellen, ist das immer ein ganz besonderer Moment, auf den ich mich sehr freue! Im Normalfall ist dies bei uns Anfang Dezember möglich, also dann, wenn die Tage am kürzesten sind und wir das wenige Tageslicht gut einteilen müssen. Diese kurzen Tage mit nur wenig Licht sind sehr schön, sie entschleunigen und man genießt jeden Sonnenstrahl intensiver. Aber noch lieber sind mir die Tage später im Winter. Anders als in Lappland steigt die Sonne bei uns schneller wieder höher über den Horizont und schon Anfang Februar haben wir reichlich Licht und oft viele sonnige Tage, an denen wir herrliche Fahrten durch die verschneiten Landschaften unternehmen und genießen. Unter den Kufen knirschendes Weiß, Schnee und Eis, oben blauer Himmel, Sonne und glitzernde Landschaft rundherum – das ist einfach nur schön.
PS: Es ist übrigens ein Gerücht, dass Nordlichter nur in der dunkelsten Jahreszeit zu beobachten sind!

Welches Winterritual ist dein liebstes?

Hast du schon einmal bei minus 20 Grad oder kälter eine Thermosflasche heißes Wasser mit auf einen See genommen und mit einer schnellen Bewegung das dampfende Wasser halbkreisförmig in die Luft geschleudert? Versuche es mal und lass dich überraschen! 🙂

Du hast einen außergewöhnlichen Sinn fürs Tierwohl – wie setzt du das auf deiner Farm um?

Ich war lange genug auf großen Farmen, um zu wissen, dass bei 100 oder mehr Hunden der Kontakt zum einzelnen Tier einfach zu kurz kommt, auf die einzelnen Individuen nicht mehr ausreichend eingegangen werden kann und vieles allein durch die Menge an Tieren einfach zeitlich eingegrenzt wird. Bei nur 19 Hunden ist das ganz anders. Das sommerliche Putzen der Zwinger mit Freilauf für die Hunde dauert hier bei mir zum Beispiel genauso lange wie früher mit 60 Hunden in einer Anlage. Sprich, jeder Hund bekommt hier viel mehr Aufmerksamkeit und Gelegenheit, sich auszutoben, Zeit mit seinen Menschen zu verbringen. Wir können mit jedem Hund freilaufend zum See, lassen sie oft 2x oder gar 3x täglich ins Freilaufgehege und haben so einen viel intensiveren Kontakt zu jedem einzelnen. Im Herbst bekommt jeder Hund auch nach dem Training noch seine Stunde Zeit im Gehege, um sich frei zu bewegen. So werden auch die kleinsten Auffälligkeiten im Bewegungsablauf oder Verhalten registriert und können individuell angegangen werden. Ein Hund muss hier nicht nur funktionieren, er soll Hund bleiben, seine Energie nicht nur bei der Arbeit ausleben, sondern auch im sozialen Rudel spielen und sich austoben dürfen. Die tierärztliche Versorgung ist ebenfalls bei einem kleinen Rudel viel intensiver, dazu gibt’s Massagen nach dem Training, individuell auf jeden Hund abgestimmtes Futter, regelmäßige Autofahrten, um sie auch in der Zivilisation nicht unsicher werden zu lassen. Für mich das Wichtigste: Die Hunde sollen hier glücklich sein. Wäre ich Hund, würde ich hier leben wollen? Wenn ich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten kann, dann machen wir alles richtig. Auch darf jeder Hund, der nicht mehr arbeiten will oder kann, trotzdem hier leben bleiben!

Pick einmal einen der schönsten Momente heraus, den du mit Kunden auf Hundeschlittenfahrt erlebt hast …

Die schönsten Momente sind tatsächlich immer die Abreisen nach einer Woche, wenn Gäste zu Freunden geworden sind, oft auch Tränen fließen und bereits über die nächste Tour gesprochen wird. Unterwegs auf den Trails ist es natürlich immer berührend zu sehen, wie Gäste und Hundeteam bei jeder Fahrt enger zu einer Einheit zusammenwachsen, wie ein verhaltenes Streicheln am ersten Tag zu einer herzhaften Umarmung am letzten Tag wird und wie auch die Hunde den Reisegast jeden Tag mehr ins Herz schließen.

Wenn auch Sie nun solch eine herzige Woche mit Simone und den Schlittenhunden verbringen möchten, können Sie zwischen zwei Reisevarianten wählen. Die Huskywoche beinhaltet vier leichte bis anspruchsvolle Fahrtage mit Ihrem eigenen Schlittenhundegespann und lässt Sie intensiv Zeit mit den Vierbeinern verbringen. Die Husky-Schneeschuh-Woche bietet all jenen, die vielseitiger unterwegs sein wollen, eine Mischung aus Husky- und Schneeschuhtouren. Aufgrund des familiären Formats der Tour können Simone und ihre Mitarbeiter Anne und Julian stets optimal auf Sie eingehen, das Tempo und die Distanz der Touren individuell anpassen und ein maßgeschneidertes, unvergessliches Erlebnis garantieren. Alle Infos und Termine finden Sie hier. Wir freuen uns auf Sie!