schulz on tour … in Costa Rica, dem grünen Herz Mittelamerikas

Ankunft in Costa Rica am Abend. Beim Verlassen des Flughafengebäudes schlägt mir schon die warme, wenn auch nicht zu heiße Tropenluft entgegen. Es ist schon dunkel. Nach dem langen Flug möchte ich nur noch ins Hotel. Dort wartet ein großes, fluffiges Bett – herrlich.
Ausgeschlafen freue ich mich am nächsten Morgen über mein erstes „Gallo pinto“ zum Frühstück. Das Nationalgericht Costa Ricas besteht aus Reis mit Bohnen, einer Eierspezialität (Rührei, Spiegelei …) und meist Kochbanane – alles toll gewürzt, nicht zu scharf und sehr schmackhaft. Dazu wahlweise Toast, Marmelade oder Wurst/Käse – je nach Tageszeit. Generell gibt es das Gallo pinto in seiner Grundform auch schon zum Frühstück. Liebhaber des leichten Frühstücks finden frisches Obst wie Melone, Ananas und vieles mehr am Frühstücksbuffet des geschäftigen Stadthotels. Danach geht es los, raus in die Natur, ins wirkliche, vielfältige Costa Rica!

Erste Station: der Vulkan Irazu! Früher mit einem giftgrünen Kratersee, dann jahrelang komplett ohne See – auch die Wissenschaftler wunderten sich wohl … Jetzt erstrahlt ein See von türkisblau bis smaragdgrün! Beinah vergisst man, wie schwefelhaltig diese vermeintlich traumhafte Lagune ist. Der größte Krater ist mittlerweile mit Sedimenten zugeschichtet, man bewegt sich auf ihm, ohne es zu merken. Hier oben herrscht Ruhe. Nicht mal Vogelgezwitscher. Nur der Wind pfeift, es ist frisch. Ab und an kriecht etwas Schwefelgeruch die Hänge vom See hinauf. Große, fast urzeitliche Blätter, an Rhababer erinnernd, zieren die Wege. Und immer wieder staunen wir über den bunten Kratersee … einmalig!

Zweite Station: San Gerado de Dota und der Nebelwald – für mich eins der Highlights meiner Reise! Vom Zentraltal geht es zum Los-Quetzales-Nationalpark. Der Name verrät es: hier gibt es den Göttervogel der Maya, den Quetzal, zu sehen. Er ist der Nationalvogel Guatemalas, wird in anderen mittelamerikanischen Ländern in Gefangenschaft gehalten, die Population schrumpft. Aber nicht hier: hier im frischen Klima des Bergnebelwaldes rund um San Gerado hat er optimale Lebensbedingungen: dichte Wälder, in denen er sich vor größeren Vögeln verstecken kann (er sitzt meist relativ niedrig in den Bäumen), und hier wachsen auch die kleinen Avocadobäume, die ihm als Nahrungsgrundlage dienen. Und – wir sind „el grupo de los Suertitos“ – die Gruppe der Glücklichen, denn wir sehen den Quetzal! Ein wunderschönes Männchen sitzt in 20 Meter Entfernung, während wir Mittag essen. Alle halten den Atem an – der Quetzal ist etwas Besonderes! Flüsternd und auf leisen Sohlen bewegen wir uns mit unseren Fotoapparaten über die Veranda. Doch staunend legen wir die Kameras weg: Erinnerungen währen länger als Fotos. Wunderschön! Schillernd sattgrün mit türkisblauem Schimmer! Alle sind geplättet.

Am nächsten Morgen treffen wir uns nach einer erholsamen Nacht um 5 Uhr zur Vogelbeobachtungstour mit unserem Lodge-Betreiber Greivin. Das große Objektiv über der Schulter und das Fernglas um den Hals, führt er uns nach einer kurzen Einweisung, einem ersten Kaffee und ein paar Keksen durch die Umgebung der Lodge. Wir sehen viele bunte Vögel, haben tolle Blicke durchs Fernglas. Greivin kennt einen Trick: „Guys, give me your mobiles“. Er fotografiert mit den Handys durch sein Fernobjektiv und es entstehen wunderschöne Aufnahmen.

Gegen 7 Uhr müssen wir leider abbrechen – ein kurzes Frühstück und der nächste Transfer warten. Den Quetzal haben wir nicht noch einmal gesehen, aber mit dem einen Mal vom Vortag geben wir uns glücklich zufrieden. Alle sitzen im Bus, bereit zur Abfahrt zurück zur Lodge … und plötzlich! Der Quetzal ist wieder da! Alle sind aus dem Häuschen, bleiben aber möglichst still, strahlen übers ganze Gesicht – wir haben Gänsehaut vor Freude! Es ist ein Weibchen, zu erkennen an der kürzeren Schwanzfeder. Und da: auf einem anderen Ast sitzt noch ein Jungvogel, schon ebenso schillernd, doch irgendwie noch etwas zerzaust – niedlich! Und da sitzt tatsächlich auch das Quetzalmännchen, noch prächtiger als das Exemplar vom Vortag, wir können es kaum fassen: Eine ganze Quetzalfamilie dürfen wir bestaunen!

Mit diesem Glück im Gepäck machen wir uns auf in den Corcovado-Nationalpark, einem der artenreichsten Nationalparks unseres Planeten. Und auch hier werden wir nicht enttäuscht! Per Boot geht es über den offenen Golf von Drake Bay zum Strand des Corcovado NP. Ausstieg aus dem Boot, rein ins Wasser – nur knietief und wenig Wellengang, weil das Wetter überraschend schön ist. Wir schnüren unsere Wanderschuhe. Auf unserer kurzen Wanderung zur Sirena Ranger Station (schon immer wollte ich mal hier hin) sehen wir unfassbar viele Tiere. Eine riesige Nasenbärenfamilie mit Jungen, unser Ranger schätzt ca. 50 Tiere, streift neben uns durchs Unterholz.

Über uns tollt eine Horde Totenkopfäffchen in den Bäumen, wenige Meter weiter Klammeraffen in den Bäumen, an anderer Stelle bestaunen wir Kapuzineraffen. Hier im Corcovao NP gibt es insgesamt vier Affenarten. Schlussendlich sehen – und hören – wir auch noch die Brüllaffen: Programm komplett!

Auf dem Rückweg unterhalte ich mich mit unserer Reiseleiterin, die urplötzlich stehen bleibt. Nur 10 Meter neben uns auf dem Waldboden ist eine Boa unterwegs. Ich habe keine Angst vor Schlangen, finde es faszinierend, wie geräuschlos sie sich fortbewegt – und kann wieder mein Glück nicht fassen! Mit Handzeichen bedeuten wir den anderen Mitreisenden, dass es hier etwa zu sehen gibt, alle kommen auf leisen Sohlen zu uns und die Münder stehen offen vor Staunen. Die Boa schlängelt sich durch die Blätter am Boden zu einem Baum und schließlich auf einen Ast, der waagerecht und nur einen Meter über dem Boden eine optimale Bühne für diese Schönheit bietet. In nur ca. 30 Zentimeter Entfernung machen wir alle Fotos: so nah war in freier Wildbahn noch keiner von uns einer Schlange dieses Formats! Nach 20 Minuten ehrfürchtiger Bewunderung zieht sie sich höher auf den Baum zurück – Vorstellung beendet. Unser Ranger schreibt noch schnell mit einem Stock „Boa“ auf den kleinen Waldweg, damit auch nachkommende Ranger wissen, dass es hier in der Nähe dieses wunderschöne Exemplar zu sehen gibt.

Wir gehen zurück zum Strand und warten darauf, dass unser Boot uns wieder abholt. Alle sind sprachlos angesichts der schier unendlichen Tierbeobachtungsmöglichkeiten, die sich uns bisher geboten haben. Und als wäre unser Glückspuffer nicht schon zu 100 Prozent gefüllt, erfahren wir, dass in unmittelbarer Nähe ein „special animal“ seinen Nachmittagsschlaf hält. Jeweils zu dritt/viert dürfen wir unserem Ranger ins Unterholz folgen. Wir sind aufgeregt! Um welches „special animal“ handelt es sich wohl? Ein Ameisenbär? Ein Faultier? Gar ein Puma? Wir müssen aufpassen, wo wir hintreten. Knackendes Holz vermeiden. An keiner Schlingpflanze hängen bleiben, stolpern. Keiner spricht. Nur Handzeichen. Es ist eng, wir schlängeln uns aneinander vorbei, die Kamera im Anschlag. Und plötzlich sehe ich es: Da liegt ein riesiger Tapir! Ich kann mein Glück nicht in Worte fassen! Zum ersten Mal sehe ich einen Tapir in freier Wildbahn. Und so nah! Und so friedlich! Ein Foto geschossen, ihn kurz durch die „echte Linse“, das Auge, beobachtet und dann mache ich auch schon Platz, damit der nächste den Beobachtungsplatz einnehmen kann. Schließlich weiß man nie, wie lange das Glück hält und der Tapir seinem Schläfchen frönt. Zurück am Bootsplatz erfahren wir, dass ein weiterer Tapir am Strand schläft – also auf, und auch dieses gemütliche Tier in Augenschein nehmen!

Das Meer im Blick, einen Dschungel voller Tierbeobachtungsmöglichkeiten im Rücken und das gute Gefühl, dass hier wirklich nachhaltig Arten- und Naturschutz betrieben wird, nehme ich mir einige Minuten Zeit und lasse die bisherigen Stunden des Tages Revue passieren …

Zurück in Drake Bay unternehme ich eine Canopy Tour. Ca. 2 Stunden geht es über Stahlseile durch die Baumwipfel der Wälder mit Adrenalin und tollen Ausblicken. Manchmal sieht man das Meer und den Küstenbogen. Ein echter Spaß für abenteuerlustige und schwindelfreie Outdoorfans. Die finale Zipline ist 500 Meter lang und auf dieser Distanz kann man wirklich die Natur beobachten, den Blick schweifen lassen – ein tolles Erlebnis und sehr zu empfehlen, bietet diese Aktivität doch einen erheblich anderen Blickwinkel!

Costa Rica lohnt sich auch in der vermeintlichen Regenzeit, denn nicht immer regnet es überall lange Zeit. Ich hatte während meiner Reise mehr Sonne, als Regen, mehr blauen Himmel und blaues Meer, als graue Wolken. Unendlich grüne Wälder, schier unerschöpfliche Möglichkeiten der Tierbeobachtung, abwechslungsreiche Klimata und optimale Voraussetzungen für aktiven Urlaub in der Natur sprechen für sich. Costa Rica ist Vorreiter in Sachen Naturschutz und Nachhaltigkeit. Und: die Bewohner führen seit Jahren den Happiness-Index an – lassen Sie sich von der unbeschwerten, gastfreundlichen Pura-Vida-Mentalität anstecken, es lohnt sich und bereichert das Herz! Zurück in Deutschland und eben beim Schreiben dieser Zeilen stellt es sich wieder ein: die Sehnsucht und das Fernweh nach einem der schönsten Länder unserer Welt!
Wenn auch Sie Costa Rica in all seinen Facetten bereisen wollen, dann sei Ihnen diese Reise empfohlen:
www.schulz-aktiv-reisen.de/COS03

íPura Vida!