Kennen Sie den Sambesi-Streifen?

Windhoek

Windhoek

Namibia entfernt sich von den Zeugnissen seiner Kolonialzeit. 23 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes werden Orte bzw. Regionen mit bislang deutschen Namen nun umbenannt. Die Bevölkerung protestiert, Kritiker rätseln über die Hintergründe. Der Caprivi-Zipfel wurde umbenannt in Sambesi-Streifen, die Umbenennung der Küstenstadt Lüderitz in !Nami≠nûs ist umstritten und wurde noch nicht vollzogen.

Lüderitz verdankt seinen Namen dem Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz, der 1883 einem Nama-Häuptling das Land rund um die von den Portugiesen „Angra Pequena“ getaufte Bucht abkaufte und diesen dabei durch einen Rechentrick betrog. Anschließend drängte Lüderitz Reichskanzler Bismarck, seinen Grund und Boden durch das Kaiserreich militärisch absichern zu lassen – der Beginn des deutschen Kolonial-Abenteuers in Afrika.
Diese Küstenstadt im Südwesten des Landes soll nun bald !Nami≠nûs heißen – die Zeichen im neuen Ortsnamen stehen für die Klicklaute in der Sprache der indigenen Bevölkerung der Nama.

Knapp zehn Jahre später erweiterte Bismarcks Nachfolger Georg Leo Graf von Caprivi durch einen Landtausch mit Großbritannien, in dessen Rahmen Helgoland an Deutschland fiel und die Tansania vorgelagerte Insel Sansibar unter britische Herrschaft kam, Deutsch Südwest-Afrika um einen knapp 450 km langen und nur rund 30 km breiten Landstreifen, der aus der trockenen Küstenregion tief in den afrikanischen Kontinent hineinragt – den Caprivi-Zipfel. Von ihm erhofften sich die deutschen Kolonialherren über den Sambesi-Fluss einen direkteren Zugang zu ihren Besitztümern an der afrikanischen Ostküste. Die Pläne scheiterten wenige Kilometer flussabwärts an den Victoria-Fällen, von denen die Deutschen offenbar nichts wussten.
Der Caprivi-Zipfel wird mit seiner Natur und reichhaltigen Tierwelt auch als Sambesi-Streifen weiter problemlos Safari-Touristen anlocken. Er heißt nun also genauso wie der Fluss, der die natürliche Grenze dieses Landesteils zu Sambia markiert. Mit dem neuen Namen verliert jedoch diese Region ihr historisches Gedächtnis und den Hinweis auf eines der skurrilsten Tauschgeschäfte der neueren Geschichte.

Egal ob mit alten oder neuen Namen auf der Landkarte: Namibia ist auch weiterhin jede Reise wert und überrascht seine Besucher mit vielfältigster Natur, artenreicher Tierwelt und natürlich der spannenden Geschichte – nicht nur aus Kolonialzeiten.

Alle Namibia-Reisen: www.schulz-aktiv-reisen.de/Namibia

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