Manchmal beginnt eine Freundschaft mit einer einfachen Frage …
17.09.2017: Ich saß in Karimabad im Café de Hunza und trank nach einigen Wochen in Pakistan meinen ersten richtigen Kaffee, als mich ein junger bärtiger Mann mit breitem Lächeln und perfektem Englisch ansprach. Er interessierte sich für meine Kamera, und wir kamen ins Gespräch. Sein Name war Sohail Sakhi.
- Sohail und Markus in Hunza 2019
- Nur fliegen ist schöner – Sohail in seinem „Wohnzimmer“ auf dem K2 Basecamp Trek
- Panoramablick vom Hon Pass auf Sohails Heimat Hunza
Wenige Tage später lud er mich ein, mit ihm und seiner Cousine Samina zum Khunjerab-Pass an die chinesische Grenze zu fahren. Es wurde ein spontaner Roadtrip durch das herbstlich gefärbte Hunza und für mich der Beginn einer ganz neuen Perspektive auf dieses faszinierende Land und seine Menschen.
Sohail stammte aus Aliabad im Hunzatal. Wenige Monate zuvor hatte er seinen Vater auf tragische Weise verloren. Seitdem kümmerte er sich um seine Mutter Shaheen und seinen jüngeren Bruder Tofail. Trotz dieser Verantwortung war er voller Tatendrang und neugierig auf die Welt. Seine Begeisterung war ansteckend und aus ersten Ideen entstanden konkrete Projekte. Nur ein Jahr später führten wir unsere erste gemeinsame Reisegruppe für schulz aktiv reisen durch die wilde Welt des Himalaya und Karakorum.
Aus Reisen wurden gemeinsame Abenteuer …
Pakistan war damals noch ein Land, das nur wenige Reisende kannten. Die spektakulären Straßen des Karakorum Highway waren von unzähligen Checkposts geprägt, die touristische Infrastruktur steckte vielerorts noch in den Kinderschuhen und Reisen in die abgelegenen Bergregionen atmeten puren Entdeckergeist.
Sohail sah darin keine Hindernisse, sondern Möglichkeiten. Eine besondere Trekkingreise führte uns zu zweit ins Herz des Karakorum. Wir überschritten den Gondogoro-Pass und teilten uns zwei Wochen lang ein rotes Ein-Personen-Zelt. Jeden Tag kochten wir unsere Noodles und freuten uns über die Einladungen der Baltis zum Chai. Bald schon hatte sich in den Camps herumgesprochen, dass zwei „Backpacker“ den Baltoro-Gletscher unsicher machten und „by fair means“ den Concordiaplatz erreichen wollten. In dieser Zeit wurde mir einmal mehr bewusst, wie wenig man eigentlich braucht, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Heute sind es gerade diese einfachen Momente, die mir besonders wertvoll erscheinen.
Sohail hatte eine ganz besondere Gabe, Menschen miteinander zu verbinden. Für unsere Gäste war Sohail ein Reiseleiter, der ihnen Türen öffnete und dafür sorgte, dass sie sich willkommen und zu Hause fühlten. Für die pakistanischen Guides und Träger war Sohail jemand, dem sie vertrauten. Und für seine Freunde war er einfach Sohail: Herzlich, humorvoll, hilfsbereit und immer für andere da.
- Glücklich am Concordiaplatz mit K2 (8611 m) und Broad Peak (8051 m)
- Sohail auf dem Gondogoro Pass auf 5600 m – natürlich in Turnschuhen und mit Blick auf den Laila Peak
- Eine der zahlreichen schulz-Gruppen, die Sohail für uns leitete
Sohail zeigte mir nicht nur „seinen“ Karakorum. Er nahm mich in seiner Familie auf und ließ mich an seinem Leben teilhaben. Durch ihn lernte ich Hunza nicht nur als spektakuläre Berglandschaft kennen, sondern als Heimat von Menschen, deren Gastfreundschaft und Lebensweise mich tief beeindruckten. Mit der Zeit wurde Hunza auch für mich zu einer zweiten Heimat.
Und während sich unser gemeinsamer Weg weiterentwickelte, veränderte sich auch Sohail. Aus dem jungen Mathematikstudenten aus Hunza war nach der Pandemie ein herausragender Bergsteiger geworden, der die Achttausender Pakistans und Nepals im Alpinstil bestieg – teilweise im Alleingang und ohne die Unterstützung von Trägern.
- Mit schulz-Gästen im Buchladen „Chapter One“ in Gilgit
- Sohail vor dem höchsten Berg Pakistans, dem K2, den er zweimal bestieg
Unser letztes Gespräch
Den letzten Kontakt hatten wir im Mai 2026. Sohail arbeitete zu diesem Zeitpunkt mit einem Team von Sherpas daran, Fixseile am Kanchenjunga zu verlegen und sollte wenig später selbst auf dem dritthöchsten Gipfel der Welt stehen. Wir sprachen über unsere gemeinsame Tour in Pakistan im September und schmiedeten Pläne für die kommenden Monate. Zu diesem Zeitpunkt ahnte keiner von uns, dass dies unser letztes Gespräch sein würde.
Am 31. Juli erreichte uns die Nachricht vom Broad Peak. Eine Lawine hatte zehn Menschen unter sich begraben. Einer von ihnen war Sohail Sakhi.
Was bleibt …
Für mich ist es schwer zu begreifen, dass der enthusiastische junge Mann, den ich einst zufällig wegen meiner Kamera kennengelernt hatte, nicht mehr nach Hunza zurückkehren wird. Auch die schulz-Familie verliert mit Sohail einen engagierten Bergführer und besonderen Menschen.
Was bleibt, sind seine Visionen für seine Heimat: sein Einsatz für eine faire Bezahlung pakistanischer Träger und Guides, seine Pläne für die Etablierung eines Great Karakorum Trail und der Aufbau der ersten Kletterwand in Hunza für Mädchen und Jungen.
Sohail war für mich wie ein Bruder und eine Brücke zwischen zwei Kulturen. Ohne ihn wäre Pakistan für mich nicht das Land, das es heute ist. Ich bin ihm dankbar für all die Wege, die wir gemeinsam gegangen sind. Für die Berge, die er mir gezeigt hat. Für seine Familie, die mich aufgenommen hat. Für die unzähligen Gespräche, seinen unvergleichlichen Humor und die vielen gemeinsamen Abenteuer.
Und vielleicht ist es genau das, was wir von einem besonderen Menschen in Erinnerung behalten: nicht die Gipfel, die er bestiegen hat, sondern die Menschen, deren Leben er auf seinem Weg berührt hat.
Auf ein Wiedersehen zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Karakorum, Sohail Bhai.
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Sohails Familie unterstützen
Viele Menschen haben uns nach unserem Instagram-Beitrag gefragt, wie sie Sohails Familie unterstützen können. Gemeinsam möchten wir Shaheen und ihren jüngeren Sohn Tofail in dieser schweren Zeit nicht allein lassen und haben deshalb eine Spendenaktion ins Leben gerufen.
Die Spenden sollen zur unmittelbaren finanziellen Absicherung der Familie und zur Deckung notwendiger Ausgaben beitragen. Welche Ausgaben dabei konkret im Vordergrund stehen, möchten wir gemeinsam mit Shaheen und Tofail entscheiden.
Die Spendenaktion läuft bis zum 1. September 2026. Im September werde ich selbst nach Pakistan reisen und die Situation vor Ort mit der Familie besprechen. Die Unterstützung wird anschließend auf dem geeigneten Weg direkt an Shaheen und Tofail weitergegeben.
Über die Verwendung der Spenden werden wir transparent informieren.
Wer Shaheen und Tofail unterstützen möchte, kann sich hier an der Spendenaktion beteiligen:
Tel. +49 (0)351 266 25-76
markus.protze@schulz-aktiv-reisen.de








