Warum gerade … Spitzbergen?

Zugegeben: Die Arktis ist eine der Regionen unserer Erde, wo die Natur besonders im Winter Freund und Feind gleichermaßen sein kann – wenn man ihre Sprache nicht versteht, sich ihrer Gangart nicht anpasst. Das macht aber auch den Reiz der Arktis aus. Mitten in der Zeit der Polarnacht, sie dauert gut 4 Monate auf Spitzbergen, in der es rund um die Uhr stockdunkel ist, betrat ich zum ersten Mal das Archipel Svalbard (offizieller norwegischer Name aller fünf Inselgruppen seit 1925). Im Schein des Vollmondes erhoben sich schemenhaft die tafelbergähnlichen Riesen auf der Hauptinsel Spitzbergen, die umschlungen sind von mächtigen Fjorden, in die sich lange Gletscher schieben. Auch wenn ich die Welt um mich herum nur erahnen konnte, erfasste mich eine seelenergreifende, mystische Stimmung.
Die Kohle, vor Millionen Jahren entstanden, als Spitzbergen noch auf Äquatorbreite allmählich von den Naturgewalten gen Norden bewegt wurde, war Anfang des 20. Jahrhunderts Ziel der Begierde und Ausgangspunkt für Ansiedlungen auf einem damals ausgesprochen unwirtlichen Flecken Erde. Verschiedene Epochen und verschiedene Nationen, die die Kohlevorkommen begehrten, haben Spuren auf Spitzbergen hinterlassen, die heute maßgeblich zur Mystik auf diesem Archipel beitragen, ob durch das noch vorhandene Lore-System oder die in die Berge gehauenen Mineneingänge. Bergbausiedlungen wie Barentsburg, Pyramiden oder Svea offenbaren Relikte vergangener Zeiten.

Schon drei Monate später kehrte ich zurück, zur genau gegensätzlichen „Sonnenzeit“ – es herrschte Mitternachtssonne, wo die Sonne am tiefsten Punkt ihrer Bahn nie hinter dem Horizont verschwindet. Jetzt wurde mir die Magie des Lichtes gewahr, hier am Ende der Welt, gefühlt wie auf einem anderen Planeten, jetzt erschloss sich mir die Begeisterung der hier lebenden Menschen, die der monatelangen Dunkelheit (wie in einer Kohlegrube) und den arktischen Klimabedingungen trotzen. Wohl kaum ein anderer Ort auf unserer Welt übt solch geheimnisvolle Anziehung aus, erweckt solchen Respekt und macht so neugierig auf das, was da draußen im nowhere ist, wie Spitzbergen.
Und es zog mich auch alsbald weg von der 1500 Einwohner zählenden, überschaubaren Hauptstadt Longyearbyen. Eine Ski-Tour führte mich nördlich von Küste zu Küste, vom Nordenskjöldgletscher im Westen über einen Pass gen Osten an die Mondbucht. Tagein, tagaus: strahlende Sonne, die Gletscher, umliegende Berge und sanfte Hügel in ein unbeschreibliches Licht hüllte. Ich fragte mich, was mich so faszinierte, ganz abgesehen von der Stille und Bedächtigkeit einer stündlichen Bärenwache, die in der Nacht abzuhalten war. Hier hat die Natur einen Raum geschaffen, der mit wenig auskommt, über die Maßen klar und minimalistisch ist. Vielleicht liegt genau darin seine magische Anziehungskraft.

Und doch sind die Bedingungen auf dem Archipel nicht lebensfeindlich, denn Golf- und Nordatlantischer Strom sorgen für temperierte Bedingungen, die es ermöglichen, die Arktis zu erleben. Ohne Zeitverschiebung und vom norwegischen Festland aus ist man in überschaubarer Zeit in einer anderen Welt, die zwar keinen einzigen Baum, aber dafür unglaubliche, durch Eis und Wasser gebildete Landschaftsformen, angepasste Pflanzenarten und eine arktische Tierwelt zu bieten hat. Die größte Anziehungskraft übt gewiss der „König der Arktis“ aus – der Eisbär. Erst 1973 wurde auf Drängen vorausschauender Forscher ein totales Jagdverbot eingeführt. Die Wahrscheinlichkeit, einen Eisbären zu sehen, ist in ausgewählten Gebieten Svalbards recht groß.

Die Sommermonate Juli und August bieten die besten Bedingungen, um sich Svalbard aktiv, also zu Fuß und mit dem Kajak, zu erschließen. Straßen über das Archipel sucht man vergebens, gut 60 Prozent der Fläche ist mit Eis überzogen. Während man sich im Winter insbesondere mit dem Scooter fortbewegt, sind es in der kurzen schneefreien Zeit die Schiffe. Wenn im März in Longyearbyen die ersten Sonnenstrahlen jubelnd willkommen geheißen werden, erwacht eine ebenso reizvolle Zeit für alle, deren Herz für Winteraktivitäten schlägt. Prädestiniert sind dann Skitouren im weißen Nichts, bei denen man den Rest der Welt getrost für eine Weile hinter sich lassen kann.

Gern zeigen wir Ihnen Spitzbergen zu Land und vom Wasser aus – unsere Reisen im Überblick:

Arktischer Winter:
Arktische Wintererlebnisse (wahlweise anspruchsvolle Skitour oder Schneemobil-/Schneeschuh-Tagestouren)

Eine weitere Aktivtour im Winter ist bis Ende August auf unserer Website zu finden.

Arktischer Sommer:
10-tägige Wander- und Erlebnisreise (Hotel & Wildnishütte)
10-tägige Wander- und Kajaktour (Hotel & 2x Zelt)

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